Lexikon
Kuckuck
Wenn der Kuckuck im Frühjahr aus Afrika zurück kommt, sollten manche Singvögel ihre Nester nicht mehr aus den Augen lassen. Denn Kuckucke haben eine ganz eigene Art, ihre Jungen großzuziehen: Während das Kuckucksmännchen aufpasst, legt das Kuckucksweibchen seine Eier in fremde Nester. Die unfreiwilligen Pflegeeltern ziehen das Kuckuckskind groß - sie können nicht anders.
Wie der Kuckuck andere Vögel austrickst
Kuckucke kommen in Volksliedern vor und gelten als Frühlingsboten. Trotzdem haben sie bei uns Menschen einen schlechten Ruf: Nach menschlichen Maßstäben wirkt ihre Lebensweise wenig fürsorglich. Das Kuckucksweibchen legt seine Eier in fremde Nester und lässt das Jungtier von fremden Vögeln aufziehen. Diese Methode, mit der der Kuckuck für den Fortbestand seiner Art sorgt, ist erfolgreich - und nur darauf kommt es in der Tierwelt an.
Die Instinkt-Falle
Wenn man das Foto betrachtet, wie der kleine Teichrohrsänger das große Kuckucks-Küken füttert, dann fasst man sich an den Kopf und fragt sich: Wieso füttert der Kleine dieses Riesenkind? Merkt der nichts?
Ob er etwas merkt, wissen wir nicht. Klar ist aber: Sein Fütterungstrieb zwingt ihn dazu, das Küken zu füttern. Ausgelöst wird der Trieb von dem weit aufgesperrten Schnabel des Kuckucks. Selbst wenn er etwas merkt - er kann nicht anders.
Warum brüten die Vögel die Kuckuckseier aus?
Im Fall des Kuckucks hat die Natur ein fast perfektes Täuschungsmanöver entwickelt: Ende April legt das Kuckucksweibchen dem Teichrohrsänger ein Ei ins Nest, das fast exakt genau so aussieht wie seine eigenen. Es ist nur ein klein wenig größer. Der Teichrohrsänger bemerkt die Täuschung meist nicht. Wenn das Kuckucksküken erst geschlüpft ist, ist es auch schon zu spät: Das Kuckucksküken befördert alle anderen Küken aus dem Nest.
Spezialisierte Kuckucksmütter
Damit die Eier der Kuckucksweibchen denen der Wahl-Eltern zum Verwechseln ähnlich sehen, haben sich die Kuckucksweibchen auf ganz bestimmte Vogelarten spezialisiert. Manche Weibchen legen nur blaue Eier, die aussehen wie die Eier vom Gartenrotschwanz, andere nur weiße Eier mit braunen Flecken, genauso wie die Gartengrasmücke.
Bevor das Kuckucksweibchen sein Ei ablegt, beobachtet es das Nest genau. Sobald der Singvogel seine Eier gelegt hat und sein Nest für kurze Zeit verlässt, legt das Kuckucksweibchen sein Ei in Sekundenschnelle dazu. Das macht es rund zehn Mal - in zehn verschiedenen Nestern. Meistens klappt dieser Trick und nur selten entdeckt das fremde Elterntier das Kuckucksei im eigenen Nest.
Fachleute haben herausgefunden, dass die Farbe der Eierschale vom Kuckucksweibchen an die Jungtiere vererbt wird. Ein Kuckucksweibchen legt also seine Eier immer in das Nest der Vogelart, von der es selbst aufgezogen wurde. So sorgen die Kuckucksweibchen selbst dafür, dass ihre Eier von Generation zu Generation immer besser getarnt sind.
Warum der Kuckuck oft zu spät kommt...
Der Kuckuck ist ein Zugvogel. Als Langstreckenzieher fliegt er im Herbst nach Afrika und bleibt südlich des Äquators bis es hier wieder Frühling wird. Erst gegen Ende April kommt er zurück, exakt zur Brutzeit der "Wahl-Eltern" seiner Kuckuckskinder - eigentlich. Denn die starke Spezialisierung der Kuckucksweibchen auf eine bestimmte Vogelart macht dem Zugvogel neuerdings Probleme:
Problem Klimawandel
Wegen des Klimawandels beginnt der Frühling in Westeuropa immer früher. Der Kuckuck kommt häufig zu spät - die Brutsaison hat schon ohne ihn begonnen. Manche Kuckucksweibchen weichen in höhere Lagen aus und fliegen so dem Frühling hinterher. In den Bergen beginnt die Brutsaison später, weil es erst später warm wird. Ein Trick, den längst nicht alle Kuckuckseltern für sich entdeckt haben. So gelingt bisher nur wenigen Vögeln die Anpassung an den Klimawandel.












