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Lexikon

Bitterlinge - Die Unglaublichen


(Foto: Ostijan cc-by-sa 3.0)
Bitterlingspärchen an einer Muschel

Der Bitterling ist klein und unauffällig. Er lebt in Seen und Tümpeln, wird höchstens neun Zentimeter groß und ist unscheinbar silbrig-grau gefärbt. Doch wenn er Nachwuchs bekommen will, dann tut er etwas sehr Sonderbares.

Ein eingespieltes Team: Bitterlinge und Teichmuscheln

Bitterlingsmännchen in seinem bunten Balzkleid. (Piet Spaans cc-by-sa)
Bitterlingsmännchen in Balzfärbung
Dieses Bitterlingsmännchen hat eine passende Muschel gefunden. Jetzt muss es nur noch ein Weibchen anlocken. (Foto: Michael Wurm cc-by-sa 4.0)
Bitterlingsmännchen bei seiner Muschel
So sieht eine Große Teichmuschel (Anodonta cygnea) aus. (Foto: Anika cc-by-sa 3.0)
Große Teichmuschel am Ufer

Wenn sich ein Bitterlingsmännchen mit einem Weibchen paaren möchte, dann sucht es sich zuerst eine Muschel aus. Mit dem unscheinbaren Schuppenkleid ist jetzt Schluss: Prächtig gefärbt mit rötlichem Bauch und roter Afterflosse wirbt das Männchen um die Weibchen. Sein Ziel: Es will ein Weibchen zu seiner Muschel locken. Und warum? Weil Bitterlinge ihre Eier in Bach- und Teichmuscheln ablegen. Mit einer langen Legeröhre platziert das Weibchen einige Eier genau zwischen den Kiemen der Muschel. Dort werden sie auch vom Männchen  befruchtet. Der Platz ist gut gewählt: Zwischen den harten Muschelschalen sind die kleinen Bitterlingslarven vor Feinden gut geschützt. Rund zwei bis vier Wochen bleiben sie erstmal, wo sie sind.

Was hat die Muschel davon?

Nach dem Motto "Wie du mir, so ich dir" nutzt die Muschel die kleinen Larven als Taxi für ihren eigenen Nachwuchs. Kaum sind die Bitterlingslarven geschlüpft, heften sich winzige Muschellarven an die Mini-Fische. Wenn die kleinen Bitterlinge ausschwimmen, nehmen sie die Muschellarven mit und verteilen sie im See. So kann der Muschelnachwuchs Orte im Gewässer besiedeln, an die er ohne die Hilfe der Fisch-Taxis nicht gelangt wäre.


Symbiose: Zusammenarbeit zwischen Arten

Bitterlinge kommen in flachen Seen oder langsam fließenden Gewässern mit vielen Pflanzen vor. (Foto: gemeinfrei)
See mit Schilfgürtel
Um Nahrung aufzunehmen, filtern Muscheln das Wasser der Flüsse und Seen. (Foto: Bondie cc-by-sa 3.0)
Flussperlmuscheln im Wasser

Was Bitterling und Teichmuschel hier machen, nennt man "Symbiose". Das bedeutet, dass zwei Lebewesen voneinander abhängig sind - und zwar so, dass beide Nutzen davon haben. Die Bitterlinge haben sich im Laufe der Evolution sogar so stark an die Muschel angepasst, dass sie sich ohne sie nicht mehr vermehren können.

Die Kehrseite der Medaille

Doch diese Abhängigkeit hat zwei Seiten: Wenn genügend Muscheln da sind, dann gibt es auch viel Bitterlings-Nachwuchs. Denn im Schutz der Muschel werden aus den meisten Larven auch Fische. Teich- und Flussmuscheln  sind bei uns jedoch selten geworden, denn sie reagieren sehr empfindlich auf Störungen. Wenn Gewässer ausgebaut werden, können ganze Muschelbestände aussterben. Auch die Verschmutzung der Gewässer ist ein Problem. Da Muscheln das Wasser filtern, um an Nahrung zu gelangen, lagern sich in ihrem Körper besonders viele Schadstoffe an. Der Rückgang der Muscheln hat dazu geführt, dass auch der Bitterling bei uns selten geworden ist.

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Steckbrief Bitterling

(Foto: Viridiflavus cc-by-sa 3.0)
Bitterlingsweibchen

Familie:
Karpfenartige

Verbreitung:
Mittel- und Osteuropa nördlich der Alpen

Lebensraum:
Flache Seen und Teiche, langsame Flüsse mit vielen Pflanzen

Größe:
bis 9 cm

Nahrung:
Pflanzen, wirbellose Tiere (Würmer, Kleinkrebse, Wasserinsekten)

Laichzeit:
April bis Juni

Lebensdauer:
bis zu fünf Jahre

Wissenschaftlicher Name:
Rhodeus amarus

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(Foto: gemeinfrei)
Graureiher

Ganz schön was los im See - lies hier mehr:

Ökosystem See

Vielfältiger Lebensraum:

Wasser

Auch im Bach gibt es viel zu entdecken:

Leben im Bach

Was ist eine Symbiose?

Eine „Symbiose“ (griech. Sym = zusammen und bios = Leben). Der Begriff kennzeichnet einen verbreiteten Sachverhalt in der Natur, wobei zwei Tier- oder auch Pflanzenarten untereinander oder wechselseitig voneinander abhängig geworden sind. Es gibt „Symbiose“  auch zwischen Pflanzen-, Bakterien- und Pilzarten (z. B. Flechten), oder zwischen Pflanzen und Tierarten (z. B. Blütenbestäubung durch Tiere).