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Lexikon

Tierforscher im Portrait - Jörg Melzheimer

Der Gepardenmann

(Foto: Leibniz IZW / Gepardenprojekt)
Gepardenjunges

Gehörst du auch zu denen, die davon träumen, Tierforscher zu werden? Und stellst auch du dir darunter jemanden vor, der Schlapphut tragend durch die afrikanische Steppe schleicht, um Raubkatzen zu beobachten? Genau so einer ist Jörg Melzheimer. In Namibia erforscht er Geparde.

Gepardenforschung: High-Tech im Wüstensand

Um einem Geparden ein Halsband mit Sender anzulegen, müssen die Forscher die scheue Katze erst einmal einfangen. Dazu müssen sie ganz schön clever sein. Der Baum, den du hier siehst, ist ein Treffpunkt für Geparden. Die Forscher haben den Baum mit Dornensträuchern abgesperrt - der einzige Weg dorthin führt durch den Käfig. Ein Gepard ist in die Falle getappt. (Foto: Leibniz IZW / Gepardenprojekt)
Forscher vor Käfig, in dem ein Gepard sitzt
Erwischt. Der Gepard findet es in der Falle gar nicht gut. Dank Computermeldung auf's Handy sind die Forscher schnell vor Ort. (Foto: Leibniz IZW / Gepardenprojekt)
Gepard in Falle
Nach 10 Minuten ist der Gepard betäubt. Jetzt können Jörg und seine Kollegen ihn untersuchen, Blutproben nehmen und ihm ein Sendehalsband anlegen. Dabei müssen sie schnell arbeiten, denn das Tier soll höchstens eine halbe Stunde betäubt bleiben.(Foto: Leibniz IZW / Gepardenprojekt)
Wissenschaftler untersuchen einen betäubten Geparden, der auf einem Tisch liegt.
Nichts wie weg hier: Jörg lässt den Geparden wieder frei. Mithilfe des Senders bleiben die Forscher dem Tier in den nächsten zwei Jahren auf den Fersen. (Foto: Leibniz IZW / Gepardenprojekt)
Der Gepard rennt davon, nachdem Jörg den Käfig geöffnet hat.
Eine Wildkamera hat diesen Geparden fotografiert. Das Halsband mit dem Sender kannst du gut erkennen. (Foto: Leibniz IZW / Gepardenprojekt)
Besenderter Gepard (Foto einer Wildkamera)

Klingt super - ist aber ganz anders, als man sich so vorstellt. Jörg lebt nicht in einem Safarizelt mitten in der Steppe, sondern in einem Haus mit Klimaanlage. Er schleicht selten durch die Landschaft. Viel öfter sitzt er am Computer und wertet die Daten der Sender aus, die einige Geparde an Halsbändern tragen. Wenn Jörg einen Geparden einfangen will, dann legt er sich nicht mit Futter auf die Lauer, sondern verlässt sich auf eine High-Tech-Falle mit Lichtschranke und Internetanschluss.

Mini-Computer im Halsband

Weil Forscherinnen und Forscher modernste Technik nutzen, haben sie in den letzten Jahren so viel über Wildtiere herausgefunden wie nie zuvor - selbst über so scheue wie den Geparden. Jörg findet das super: "Wir machen echt abgefahrene Sachen", grinst er. Die kleinen Sender wiegen nur 250 Gramm, aber können zwei Jahre lang Daten senden. Die Mini-Computer darin zeichnen jeden Schritt des Tieres, jede Beschleunigung und jede Ruhepause auf. Dadurch haben die Wissenschaftler eine Menge über das Verhalten der Tiere gelernt. "Der Gepard spürt das Halsband kaum - es wiegt ja fast nichts", erklärt Jörg.

Alle paar Tage fliegt Jörgs Kollegin Rebekka mit einem kleinen Flugzeug über die Steppe und sucht seine besenderten Geparden. Sobald er einem der Tiere näher kommt als 500 Meter, schickt der Sender alle Daten der letzten Tage per W-Lan ins Flugzeug. Von wegen schlechtes Internet - in Namibia ist es besser als in Deutschland!

Käfige voller Technik

Und erst die Fallen! Sie sehen aus wie ganz normale Käfige, sind aber vollgestopft mit Technik. Sobald ein Tier die Falle betritt, löst eine Lichtschranke die eingebaute Kamera aus. Innerhalb von Millisekunden entscheidet ein Computer, ob die Falle zuschnappen soll oder nicht. Warzenschweine oder Wüstenhasen lässt er einfach durchspazieren. Nur, wenn wirklich ein Gepard drin ist, schließt sich das Tor. Sitzt die Katze fest, sendet der Computer eine SMS auf die Handys der Forscher. So sind die Wissenschaftler innerhalb kurzer Zeit vor Ort - und die Tiere haben weniger Stress. Der Gepard wird betäubt. Dann können die Forscher ihn untersuchen und ihm ein Halsband mit Sender anlegen. Kaum eine Stunde später wird das Tier wieder freigelassen.

Wie Wildtierforschung die Tiere schützt

Zwei Kollegen von Jörg montieren eine Wildkamera. (Foto: Leibniz IZW / Gepardenprojekt)
Zwei Männer mit einer Wildkamera an einem Weidezaun
Gibt's was Neues? Die Geparden hinterlassen Nachrichten für Artgenossen an bestimmten Treffpunkten in der Savanne. Die drei hier wurden dabei von der Wildkamera erwischt. (Foto: Leibniz IZW / Gepardenprojekt)
Auch viele Namibier haben noch nie einen Geparden aus der Nähe gesehen. Deshalb laden die Forscher die Farmer und ihre Familien manchmal zum Zuschauen ein, wenn sie einen Geparden untersuchen. (Foto: Leibniz IZW / Gepardenprojekt)
Die Forscher untersuchen einen betäubten Geparden
Heiß auf Wüstensand: Jörg Melzheimer mit einem Kollegen in Namibia. (Foto: Jörg Melzheimer)

Und wozu der ganze technische Aufwand? "Geparden sind unglaublich scheu. Selbst wir Forscher kriegen selten einen zu Gesicht", sagt Jörg Melzheimer. Zudem haben Geparden ein riesiges Streifgebiet. Deshalb ist es für die Wissenschaftler schwierig, die Tiere überhaupt zu finden. Computer und GPS-Sender helfen ihnen, den Katzen auf den Fersen zu bleiben. Und das wollen sie unbedingt - denn Geparden sind vom Aussterben bedroht. Nur rund 3500 Tiere streifen noch durch Namibia und das Nachbarland Botswana.

Gespräche mit den Farmern

Vor allem die Farmer machen Jagd auf die Katzen, weil sie ihre Weidetiere beschützen wollen. Deshalb treffen sich Jörg und seine Kollegen oft mit den Farmern, um ihnen von den Forschungsergebnissen zu berichten. Seitdem die Farmer wissen, wo die Geparden am liebsten jagen, lassen sie ihre Herden einfach woanders grasen. Außerdem konnten die Forscher nachweisen, dass die Geparden viel öfter Antilopen reißen als Weidetiere. Auch das hat die Farmer beruhigt. Inzwischen ist die Zahl der getöteten Geparden in Namibia stark zurück gegangen.

Coole Mischung aus Forschung und Technik

Raubkatzenforscher zu sein, findet Jörg ziemlich gut. Feldforschung draußen, Arbeit am PC und Kontakt zu den Menschen - "das ist einfach eine coole Mischung", sagt er. Und dass er damit auch noch den Tieren helfen kann - super. Jetzt im Moment ist Jörg zu Hause in Brandenburg, denn manchmal muss er auch Büroarbeit in Deutschland machen. Aber demnächst fliegt er wieder nach Afrika zu seinen Geparden - der Schlapphut ist schon im Gepäck.

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(Foto: Camino Filmverleih)
Junge Geparden im Gras

Verbreitung:
Südliches und östliches Afrika, nur noch wenige Tiere in Asien.

Größe:
Katzen bis 60cm, Kater bis 80 cm hoch; Länge bis 2,30 Meter

Gewicht:
Bis 60 kg.

Nahrung:
Antilopen, Impalas, aber auch Weidetiere wie Kälber und Ziegen.

Verhalten:
Geparde sind zwar sehr schnell, aber nicht besonders kräftig. Löwen, Leoparden und Hyänen sind ihre ärgsten Feinde. Deshalb jagen Geparden als einzige Katzen tagsüber - so gehen sie den anderen Räubern aus dem Weg. Aus Angst vor Feinden legen Geparden keine Futter-Vorräte an und fressen nie zweimal am selben Ort.

Anzahl Junge:
2 bis 6.

Lebenserwartung:
Bis 14 Jahre.

Wissenschaftlicher Name:
Acinonyx jubatus