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Lexikon

Tierforscher im Portrait - Cornelia Jaspers

Die Quallenfrau

(Foto: Peter Bondo Christensen)
Cornelia Jaspers auf einem Forschungsschiff mit Plankton im Glas

Wale und Fische interessieren sie nicht - Cornelia Jaspers' Herz schlägt für Quallen. Um mehr über die Tiere herauszufinden, ist sie auf allen Weltmeeren unterwegs. Was findet sie an den Glibbertieren bloß so spannend? 

Unbekannte Meeresgeister

Cornelia im Labor. In den durchsichtigen Becken hält sie Quallen. (Foto: Sarah Kaehlert / Geomar)
Cornelia Jaspers im Labor, im Vordergrund Behälter mit Wasser.
Mit Forschungsschiffen wie diesem ist Cornelia unterwegs. (Foto: J. Steffen / Geomar)
Forschungsschiff "Sonne"
Mit diesem Netz können die Wissenschaftler auch winzigste Quallen einfangen, ohne sie zu verletzen. (Foto: Cornelia Jaspers)
Die Rippenqualle Mnemiopsis leidyi leuchtet unter Wasser. Eigentlich lebt sie vor der Küste Nordamerikas. Seit einigen Jahren taucht sie auch in europäischen Gewässern auf.(Foto: Cornelia Jaspers)
Rippenqualle Mnemiopsis leidyi oder "Meerwalnuss"
Schön, aber auch bedrohlich. Cornelia will herausfinden, warum Quallen manchmal in Massen auftreten. (Foto: gemeinfrei)
Quallen im Wasser

Quallen sind kaum erforscht. Die meisten Meeresbiologen finden das Glibberzeug langweilig und studieren viel lieber Fische oder Wale. Auch Cornelia Jaspers beschäftigte sich zu Beginn ihres Biologiestudiums mit Meerestieren, die Flossen haben. "Ich wollte keine Quallenforscherin werden", sagt sie. Doch dann wurde sie zu ihrer ersten Quallen-Expedition eingeladen. Die Fahrt mit dem dänischen Forschungsschiff "Væddern" ging quer über den indischen Ozean. Als Cornelia die ersten durchsichtigen Meergeister im Netz hatte, war es um sie geschehen. Seitdem haben die Fangarme der Quallen sie nicht mehr losgelassen. Heute gilt die Wissenschaftlerin als Expertin auf dem Gebiet des Glibberplanktons.

Am Anfang der Nahrungskette

"Wir wissen viel zu wenig über Quallen", erzählt Cornelia. Dabei spielen sie in der Nahrungskette eine wichtige Rolle - viel wichtiger, als bisher vermutet. Von den Quallen könnte es zum Beispiel abhängen, ob der Europäische Aal ausstirbt oder nicht. Denn Aale sind überfischt - nach und nach wurden fast alle jungen Aale aus den Meeren gefangen. Heute stehen sie am Rande der Ausrottung. Doch bisher ist es nicht gelungen, Aale in Aquarien nachzuzüchten. Warum? Weil niemand genau weiß, was Aalbabies fressen.

Das könnte sich dank Cornelia Jaspers und ihrer internationalen Kollegen noch rechtzeitig ändern: Die Biologen haben herausgefunden, dass die Nahrung der Aallarven zu mehr als der Hälfte aus Quallen besteht. Wenn es jetzt gelänge, Quallen in Aquarien zu vermehren, könnte man sogar Aale züchten - und sie damit vor dem Aussterben bewahren.

Mehr über den Aal und seinen geheimnisvollen Lebenslauf kannst du hier lesen.

Massenhaft Glibber

Doch Quallen sind nicht nur harmloses Fischfutter. Sie haben auch eine bedrohliche Seite. Wenn du beim Baden schon mal in die Nesselfäden einer Qualle geraten bist, weißt du, wie weh das tut. Die gefährlichsten Nervengifte unseres Planeten befinden sich nicht in Schlangen-, sondern in Quallenkörpern.

Manchmal kommen solche Quallen-Massen vor die Küsten des Mittelmeeres, dass an den Stränden niemand mehr baden kann. Und nicht nur das: Die Quallen legen Turbinen und Schiffsschrauben lahm und zerstören durch ihre pure Masse die Netze der Fischer. Doch wovon hängen solche Massenaufkommen ab? Auch das will Cornelia herausfinden. 

Abenteuer Meeresbiologie

Die Rippenqualle "Mertensia". Cornelia konnte nachweisen, dass sich diese Quallenart schon kurz nach ihrer Geburt vermehrt, wenn die Umweltbedingungen schlecht sind. So verschwendet sie keine Zeit mit Erwachsenwerden und sichert trotzdem den Bestand ihrer Art - ein echter Überlebenskünstler. (Foto: Cornelia Jaspers)
Die Rippenqualle Mertensia
Cornelia Jaspers hat ihren Traumberuf gefunden. (Foto: Jasper Madsen)
Cornelia Jaspers, Portrait

Schon das Wort "Meeresbiologie" klingt nach Abenteuer. Bei Sturm und eisiger Kälte über den arktischen Ozean schippern und mit roter Nase und kalten Fingern Netze aus der Tiefe holen - Cornelia liebt das. Nie weiß sie vorher, was sie da aus dem Meer fischt. Eines darf ein Meeresbiologe aber auf keinen Fall: Seekrank werden. "Bei Übelkeit an Bord Experimente zu machen - das ist die Hölle", sagt die Wissenschaftlerin. Bei Kollegen hat sie das schon erlebt. Sie selbst ist zum Glück seefest.

Schluss mit den Geheimnissen!

Insgesamt acht Monate ihres Lebens hat Cornelia Jaspers bisher auf Forschungsschiffen verbracht. Seit zwölf Jahren beschäftigt sie sich mit Quallen. Sie kennt sich inzwischen so gut mit den Tieren aus, dass es ihr gelungen ist, mehrere Generationen von Quallen im Labor zu züchten. Das können nur ganz wenige Wissenschaftler weltweit.

500 Millionen Jahre lang sind Quallen unbehelligt durch die Weltmeere geschwommen - für Cornelia Jaspers ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, ein paar ihrer Geheimnisse zu lüften.

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Geheimnisvolle Quallen

(Foto: gemeinfrei)
Qualle im Wasser

Quallenkörper bestehen fast nur aus Wasser. Sie haben kein Gehirn, kein Herz und keinen Blutkreislauf. Quallen sind sehr unterschiedlich groß: Die kleinsten werden nur 2 Millimeter groß, die größten sind Riesen von mehr als 2 Metern Schirmdurchmesser. Es gibt auch Quallen, die aus ganz vielen kleinen Einzelwesen bestehen - wie zum Beispiel die "Portugiesische Galeere", eine der giftigsten Quallen der Welt. Mit ihren Tentakeln, die mehrere Meter lang werden können, fangen die Quallen ihre Beute.