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Lexikon

Vielfalt in der Landschaft


(Foto: gemeinfrei)
Landschaft mit Weiden, Feldern, Hecken und Gehölzen

Die Artenvielfalt in Deutschland geht zurück. Das hat auch damit zu tun, dass sich unsere Landschaft stark verändert hat. Wetten, dass du einer Landschaft ansehen kannst, ob in ihr viele verschiedene Tier- und Pflanzenarten leben oder nur einige wenige? Probiere es aus!

Felder, Wiesen, Hecken: Die Abwechslung macht den Unterschied!

Je größer ein Feld ist, desto leichter lässt es sich mit großen Landmaschinen bearbeiten. Aber: Wenn Hecken und Wäldchen fehlen, ist hier für Wildtiere kein Platz. (Foto: gemeinfrei)
Feld mit Traktor
Weit und breit keine Abwechslung. (Foto: gemeinfrei)
Acker mit Feldweg

Schau dir das Bild ganz oben über dem Text an und vergleiche es mit den beiden Bildern links neben dem Text. Was fällt dir auf? Richtig - die Landschaft auf dem oberen Bild ist viel abwechslungsreicher als die auf den beiden linken Bildern. Auf dem Bild ganz oben auf der Seite kannst du Felder und Wiesen, Hecken und kleine Wäldchen erkennen. Auf den beiden Bildern links siehst du vor allem große Ackerflächen. Hecken, einzelne Bäume oder kleine Wäldchen fehlen dort.

Was glaubst du - in welcher Landschaft gibt es mehr verschiedene Pflanzen und Tiere?

Wildtiere brauchen Nahrung und Verstecke

Felder, Wiesen, Hecken und kleine Wäldchen - in einer abwechslungsreichen Landschaft wie dieser hier gibt es viele verschiedene Pflanzen- und Tierarten. (Foto: gemeinfrei)
Abwechslungsreiche Agrarlandschaft
Der Stieglitz mag gern Samen von vielen verschiedenen Pflanzen. Weil er im Herbst besonders gern Distelsamen frisst, heißt er auch "Distelfink". (Foto: Frank Derer / NABU)
Stieglitz auf Distel
Der seltene Neuntöter baut seine Nester gerne in Dornenhecken. Dort ist sein Nachwuchs gut geschützt. (Foto: Rüdiger Kaminski / piclease.de)
Auch Rehe grasen lieber auf Wiesen als auf offenen Feldern.(Foto: gemeinfrei)
Reh auf Wiese
Im Winter kannst du oft Rehe auf Feldern beobachten. Dann suchen sie nach Nahrung, obwohl ihnen hier die Deckung fehlt. (Foto: gemeinfrei)
Rehe auf winterlichem Feld

Klar - in der Landschaft hier links ist viel mehr los. Das liegt daran, dass in ihr verschiedene Pflanzen wachsen, die unterschiedliche Wildtiere ernähren und genügend Versteckmöglichkeiten bieten. Nahrung und Verstecke - mehr brauchen Wildtiere nicht. Wo es beides in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander gibt, fühlen sich sogar besonders viele verschiedene Tierarten wohl.

Viele Tiere in der Nachbarschaft

Auf den Wiesen und Feldern, in den Hecken und kleinen Wäldern wachsen viele verschiedene Pflanzenarten - Pflanzen der Wiese, Pflanzen der Hecke, Pflanzen des Waldes und Pflanzen des Feldes. Sie locken eine Vielzahl von Tieren an - zum Beispiel Insekten, die Pollen und Nektar sammeln oder Säugetiere, die die Pflanzen fressen. Insekten und Kleintiere sind gleichzeitig Nahrung für Vögel und andere Raubtiere.

Auf kleinem Raum gibt es also viele unterschiedliche Arten - es herrscht eine große Artenvielfalt. Viele Tierarten nutzen nicht nur einen einzigen Lebensraum, sondern gleich mehrere: Rehe und Hasen zum Beispiel kommen zum Grasen auf die Wiese, fressen im Wald Blätter und junge Triebe und verstecken sich im Gebüsch der Hecke. Auch die Vögel fliegen zwischen verschiedenen Lebensräumen hin und her: Auf der Wiese fangen sie Insekten, bauen aber ihr Nest in der Hecke.

Einsame Einöde

Auf großen Ackerflächen dagegen ist die Vielfalt gering. Auf der ganzen Fläche wächst eine einzige Pflanzenart und bis zur nächsten Hecke oder zum nächsten Wäldchen ist es weit. Pflanzenschutzmittel lassen keine Wildkräuter mehr wachsen. Manchmal werden sogar Mittel gegen Insekten gespritzt. Deshalb kommen dort auch kaum Vögel oder Kleinsäuger vor. Im Winter kannst du grasende Rehe auf solchen Flächen beobachten. Gerne gehen sie dort aber nicht auf Nahrungssuche, denn weil sie keine Deckung haben, müssen sie ständig auf der Hut vor Feinden sein.

Vielfalt im Wald: Was Waldbewohner gut finden

Ganze Teppiche von Buschwindröschen können im Frühjahr den Waldboden in einem lichten Laubwald bedecken. (Foto: gemeinfrei)
Buschwindröschen im lichten Laubwald
Auf Lichtungen im Wald wächst zum Beispiel das Schmalblättrige Weidenröschen. Hier hat es einen Bläuling angelockt. (Foto: gemeinfrei)
Weidenröschen mit Bläuling
In diesem dichten Fichtenwald gibt es fast keine Wildtiere. (Foto: Gilles San Martin cc-by-sa 2.0)
Fichtenwald in Monokultur
Alte Bäume bieten vielen verschiedenen Tierarten Unterschlupf und Nahrung. (Foto: germeinfrei)
Der Buntspecht hat eine Höhle in den Baumstamm gehackt. (Foto: Sixta Görtz)
Buntspecht an Baumstamm

Auch im Wald gilt: Je mehr Abwechslung, desto höher ist die Artenvielfalt. Ein Mischwald mit Laub- und Nadelbäumen, in dem alte und junge Bäume wachsen und es Lichtungen gibt, ist viel lebendiger als ein reiner Nadelwald. Dafür gibt es mehrere Gründe:

Licht am Waldboden

Wenn die Bäume im Frühjahr noch kahl sind, blühen zahlreiche Frühblüher am Waldboden und bieten Insekten reichlich Nahrung. Frühblüher sind Blumen, die früh im Jahr blühen und so die ersten Sonnenstrahlen ausnutzen. Dazu gehören zum Beispiel Schneeglöckchen und Krokusse. Im Wald können dann ganze Teppiche aus Buschwindröschen und Scharbockskraut wachsen. Auf Lichtungen bekommen die Wildpflanzen sogar das ganze Jahr über genügend Sonne ab, so dass dort auch andere Arten blühen können - wie zum Beispiel das Weidenröschen oder die Himbeere. In dichten Fichtenwäldern dagegen bleibt der Waldboden das ganze Jahr über dunkel. Dort wachsen keine Blühpflanzen.

Verschiedene Baumarten

Unterschiedliche Baumarten ernähren auch unterschiedliche Tierarten. In einem einzigen Laubbaum fanden Wissenschaftler 800 verschiedene Käferarten! Doch auch andere Bewohner sind dort unterwegs: Eichhörnchen suchen nach Samen, Vögel bauen ihre Nester, viele Insektenarten knabbern an Blättern und Rinde.

Alte und tote Bäume

Alte Bäume sind im Wald besonders wertvoll. Wenn ein Baum alt wird, dann wachsen Pilze in ihm, die das Holz immer weicher machen. So können Spechte ihre Höhlen hinein hacken und Insekten Löcher hinein bohren. In verlassene Spechthöhlen ziehen später Fledermäuse und Siebenschläfer ein. Wenn der Baum schließlich umfällt, wachsen auf ihm Pilze und Moose, und verschiedene Insektenarten leben von ihm.

 

Noch mehr Landschaften im Vergleich

Du kannst dir ganz einfach merken: Je abwechslungsreicher eine Landschaft oder ein Teil einer Landschaft ist, desto höher ist die Artenvielfalt darin. Vergleiche die Landschaften und Landschaftsteile auf den Fotos: Kannst du erkennen, welche vielfältiger sind?

Wenn eine Wiese gedüngt und häufig gemäht wird, dann enthält der Boden viele Nährstoffe. Solche Wiesen sind zwar üppig mit Gras und Löwenzahn bewachsen, Wildblumen und Kräuter fehlen aber. Deshalb gibt es hier auch viel weniger Insekten und Vögel. Die Wiese ist "artenarm". (Foto: Meteor2017 cc-by 2.5)
Löwenzahnwiese
Auf dieser Wiese wachsen viele verschiedene Blumen und Kräuter und locken unzählige Insektenarten an. Diese Wiese ist "artenreich". Artenreiche Wildblumenwiesen gehören in Deutschland zu den bedrohten Lebensräumen. (Foto: Andreas Gruhl / fotolia)
Artenreiche Wildblumenwiese
In einem Naturgarten fliegen Insekten umher, die an den Blumen Pollen und Nektar sammeln und die Blüten bestäuben. Die Mauer bietet Platz für Molche und Kröten, Eidechsen und Schlangen. Im Gebüsch verstecken sich Igel und Vögel bauen ihre Nester. Hier ist richtig viel los! (Foto: Eric Neuling / NABU)
Trockenmauer und Blumen in Naturgarten
Dieser Garten bietet nur wenigen Tieren Nahrung und Lebensraum. Kannst du erkennen, warum ein aufgeräumter Garten artenarm ist? (Foto: Fotoschlick / fotolia)
Ziergarten mit kugelförmig und kegelförmig geschnittenen Grünpflanzen
Abwechslungsreiche Landschaft in Deutschland. Kleine Wiesen und Felder mit Hecken und Wäldchen dazwischen, dazu Häuser mit Gärten - bestimmt könntest du hier viele verschiedene Tiere entdecken. (Foto: Andreas Praefcke cc-by )
Kulturlandschaft mit Wiesen, Feldern und Hecken
Oh weh - weit und breit nichts los. (Foto: Peter Berger)
Riesiger Acker im Winter
Artenreicher Mischwald mit vielen verschiedenen Baumarten. (Foto: Sixta Görtz)
Mischwald am Mittelrhein.
Artenarmer Fichtenwald. (Foto: Frankabrut cc-by-sa 3.0)
Monokultur mit Rotfichten

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(Foto: Hans-Jürgen Sessner)
Wildbiene auf Blüte

Mehr über Wiesen und Hecken:

Zu den Wiesen.

Mehr über den Wald:

Zum Wald.

Mehr über Bäume:

Zu den Bäumen.

Mehr über biologische Vielfalt:

Zur biologischen Vielfalt.

Artenreichtum schaffen: Mach mit!

(Grafik: BfN)
Hamster Konstantin

Artenvielfalt schaffen macht Spaß und ist gar nicht schwierig. Probiere es aus! Hier findest du viele Tipps, wie du der Natur helfen kannst:

So legst du einen Naturgarten an.

Gut zu wissen...

(Foto: gemeinfrei)
Frosch-Portrait

Was bedeuten die Begriffe...

... artenarm?

Artenarm nennt man eine Landschaft, in der wenige verschiedene Pflanzen- und Tierarten vorkommen.

... artenreich?

Artenreich nennt man eine Landschaft, in der viele verschiedene Pflanzen- und Tierarten vorkommen.

... Ökosystem?

Als Ökosystem bezeichnen Wissenschaftler die Gesamtheit aller Lebewesen in einem Lebensraum und die Beziehungen zwischen ihnen und ihrem Lebensraum.