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Lexikon

Rätselhaftes Pilzreich


(Foto: gemeinfrei)
Pilze im Wald

Gibt es Pilze, die Tiere jagen und Pilze, die Gift verschwinden lassen können? Was sind eigentlich Hexenringe und wie entstehen sie? Das Reich der Pilze kann ziemlich rätselhaft sein. 

Nachts kommen die Hexen...

Das Werk von Hexen...(Foto: gemeinfrei)
Hexenring auf einem Rasen
... oder ganz natürlich?(Foto: Josimda cc-by-sa 3.0)
Hexenring im Wald
Trichterlinge, die einen Hexenring bilden. (Foto: gemeinfrei)
Hexenring aus Trichterlingen

Hexenringe sind verzaubert. Wenn du mit dem Fuß über die magische Linie trittst, trifft dich der Fluch der Hexen. Das haben die Leute zumindest in früheren Zeiten geglaubt, wenn sie Hexenringe gesehen haben. Hexenringe sind kreisrunde Gebilde aus lauter Pilzen und sehen ziemlich merkwürdig aus. Mit Hexen hat das Ganze allerdings nichts zu tun. Doch wie entstehen Hexenringe dann?

Unter der Erde

Der größte Teil des Pilzes, das Mycel, wächst unter der Erde. Das, was wir Pilze nennen, sind nur die Fruchtkörper, die an den verzweigten Enden des Mycels aus der Erde schauen. Bei manchen Pilzarten breitet sich das Mycel von einem zentralen Punkt kreisförmig in die Umgebung aus. Wenn es sehr gleichmäßig wächst und das Wetter günstig ist, bilden sich die Fruchtkörper gleichzeitig, manchmal über Nacht. So entstehen die merkwürdigen Hexenringe.

Fleischfressende Pilze

Hier siehst du die feinen weißen Fäden eines Pilzmycels. Die Fangschlingen, die manche Pilzarten bilden, sind allerdings viel kleiner und mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen.(Foto: James Lindsey cc-by-sa 3.0)
Pilzmycel im Laub
Dieser Fadenwurm wurde von einem Mikroskop fotografiert und ist 1000fach vergrößert.(Foto: gemeinfrei)
Fadenwurm mit Ei unter Mikroskop

Pilze, die Jagd auf Tiere machen? Die gibt es im Pilzreich tatsächlich. Ihre Beute sind winzige Bodenlebewesen, die im Erdreich in die tödliche Falle des Pilzmycels geraten. Pilze ernähren sich von organischen Stoffen. Meist sind das abgestorbene Pflanzenteile, wie zum Beispiel Laub oder Holz. Manche Pilzarten sind aber keine strengen Vegetarier, sondern legen zwischendurch auch mal einen Fleischtag ein. Besonders die Pilzarten, die sich von verrottendem Holz ernähren, brauchen ab und zu weitere Nährstoffe. Doch wie gehen Pilze auf die Jagd?

Gerissene Jäger

Die Mycelfäden dieser Pilze bilden winzige Schlingen, in denen sich zum Beispiel Fadenwürmer oder Springschwänze verfangen. Spürt der Pilz die Bewegung des Tierchens, dann ziehen sich die Schlingen zusammen und lassen es nicht mehr los. Andere fleischfressende Pilze legen sich mit klebrigen Fäden auf die Lauer. Berührt ein Wurm so einen klebrigen Faden, bleibt er daran hängen. Anschließend wächst der Pilz in das Tier hinein und zersetzt es genau so wie er das auch mit toten Pflanzenteilen macht. Mahlzeit!

Pilze, die Gift fressen

Von Altöl verseuchter Boden: Hier können Pilze helfen! (Foto: gemeinfrei)
Fässer mit Altöl.
Dieser Baumstamm ist von Pilzgeflecht durchzogen. Überall an seiner Oberfläche kommen die Fruchtkörper heraus. Die Pilze zersetzen das tote Holz. (Foto: Dellex cc-by-sa 3.0)
Baumstamm mit Baumpilzen.
Hier breitet sich ein Pilz auf Kaffeesatz aus. (Foto: Tobi Kellner cc-by-sa 3.0)
Weißes Pilzgeflecht auf Kaffesatz.

Ein Fabrikgelände irgendwo in Deutschland. Die Gebäude sind zerfallen, die Fenster kaputt. Eigentlich müsste man alles abreißen und neue Häuser auf das Gelände bauen. Doch das geht nicht, denn der ganze Boden ist mit altem Öl verseucht. Hier kann niemand leben - nicht mal Pflanzen wachsen hier.

Doch es gibt jemanden, der helfen kann. Dieser Jemand ist ein Pilz, der das Öl im Boden zum Fressen gern hat. Entdeckt haben amerikanische Wissenschaftler das beim Experimentiern mit Pilzen im Labor. Sie haben festgestellt, dass Pilze auch in giftiger Erde weiter wachsen können.

Wie funktioniert das?

Das Pilzmycel breitet sich wie ein riesiges feinmaschiges Netz im  Boden aus. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass es auch weiter wächst, wenn es auf giftige Stoffe stößt. Das Mycel zersetzt das alte Öl in winzigste Bestandteile und verdaut es schließlich. Übrig bleibt gesunde Erde, in der wieder Pflanzen wachsen können.

Inzwischen wird die Entdeckung der Wissenschaftler an verschiedenen Orten auf der Welt dazu genutzt, verseuchte Böden zu reinigen. Dazu werden zum Beispiel Holzspäne mit Pilzsporen "geimpft" und auf der verseuchten Erde verteilt. Von dort aus können sich die Pilzgeflechte vermehren - und das Gift aus dem Boden verschwinden lassen.

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(Foto: gemeinfrei)
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